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Bioenergie
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Bioenergie ist eine aus Biomasse durch Konversion in elektrische Energie, WĂ€rme oder Kraftstoff universell verwendbare Energieform. Sie greift auf biogene Brennstoffe (oder kurz Biobrennstoffe) zurĂŒck, also Brennstoffe biologisch-organischer Herkunft. Biobrennstoffe speichern in ihren chemischen Bindungen solare Strahlungsenergie, die von den Pflanzen als PrimĂ€rproduzenten durch Photosynthese fixiert wurde. Durch Oxidation dieser Brennstoffe, meist durch Verbrennung, kann diese Energie wieder freigesetzt werden.

Traditionell hat der nachwachsende Rohstoff Holz eine große Bedeutung als EnergietrĂ€ger. Außerdem werden landwirtschaftlich produzierte Agrarrohstoffe und organische Reststoffe aus unterschiedlichen Bereichen genutzt. Weltweit wird die Erzeugung und Nutzung von BioenergietrĂ€gern ausgebaut. Wichtige GrĂŒnde sind zum einen langfristig steigende Preise fĂŒr fossile EnergietrĂ€ger, insbesondere aufgrund ihrer abnehmenden VerfĂŒgbarkeit. Zum anderen soll eine Verringerung der AbhĂ€ngigkeit von einzelnen EnergietrĂ€gern, wie Erdöl und Erdgas erreicht werden. Zunehmend gewinnen Maßnahmen der Klimaschutzpolitik an Bedeutung, die dem Klimawandel entgegenwirken sollen. Dazu gehören vor allem BemĂŒhungen zur Senkung der Treibhausgasemissionen. Weiterhin kann Bioenergie durch CO2-Abscheidung und -speicherung im Rahmen der Klimakrise eine Rolle als CO2-Senke spielen. In Deutschland wird der Ausbau von Bioenergie gefördert, zum Beispiel mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Die Debatte um Bioenergie beinhaltet technologische, ethische und kulturelle Fragestellungen. Dabei werden Auswirkungen auf die Umwelt, wie Boden, Wasser, Luft, BiodiversitĂ€t, Klima und Mitmenschen beachtet. Kulturelle Aspekte beziehen sich auf Kulturlandschaften oder die traditionelle Verwendung von bestimmten Pflanzenarten als Grundnahrungsmittel. Getreide hat in vielen Kulturen einen hohen Symbolgehalt. Daher wird die energetische Verwendung von Weizen teilweise als ethische GrenzĂŒberschreitung wahrgenommen und wird somit hĂ€ufig tabuisiert.cite-ref-1[1]

Contents

‱ Weltweit
‱ Europa
‱ Deutschland
‱ Vorteile
‱ Nachteile
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Gewinnung biogener Brennstoffe

Fast alle Arten von Biomasse können fĂŒr die Nutzung als biogener Brennstoff erschlossen werden. Dabei kann der Brennstoff das Haupt- oder ein Nebenprodukt darstellen oder ein Kuppelprodukt sein. AbhĂ€ngig von der Art der Biomasse sind unterschiedliche Aufbereitungsschritte notwendig. So können Verfahren wie MethangĂ€rung (Biogas), alkoholische GĂ€rung (Ethanol), Pyrolyse oder Ölextraktion (Pflanzenöl) mit anschließender Umesterung (Biodiesel) notwendig sein, oder es kann wie bei Holz auch eine direkte Verwendung erfolgen. Die Nutzung erfolgt meist in Anlagen, die in identischer oder Ă€hnlicher Form auch mit fossilen EnergietrĂ€gern betrieben werden, wie z. B. Feuerung mit Dampfkessel, Verbrennungsmotor, Gasturbine.

ungezielte forstliche Erzeugung
Eine der bedeutendsten Nutzungsformen fĂŒr biogene Brennstoffe ist die Verwendung von Feuerholz zum Kochen und Heizen. Dieses wird meist nicht gezielt erzeugt, sondern in PrimĂ€r- oder SekundĂ€rwĂ€ldern oder anderweitig gesammelt.
forstwirtschaftliche Erzeugung
In NutzwÀldern wird primÀr Nutzholz (Bauholz, Furnierholz etc.) erzeugt. Dabei fÀllt auch Tot- und Schwachholz sowie minderwertiges Holz an, das man als Brennholz oder zur Herstellung von Holzpellets oder Holzhackschnitzeln nutzen kann.
forstwirtschaftliche Nebenprodukte
Beispiele dafĂŒr sind aus der Holzindustrie große Mengen an SĂ€gemehl und Restholz an, die direkt thermisch genutzt oder zu Pellets verarbeitet werden. In der Papierindustrie fallen bei der Gewinnung von Zellstoff aus Holz (vor allem aus Lignocellulose bestehend) große Mengen an Lignin an. Dieses kann verfeuert werden. So fallen bei vielen Verarbeitungsprozessen organische Reststoffe an, die durch Verbrennung oder durch VergĂ€rung zu Biogas genutzt werden können.
landwirtschaftlicher Anbau
Durch landwirtschaftliche Produktion von einjĂ€hrigen Pflanzen sind biogene Brennstoffe und die fĂŒr ihre Herstellung notwendigen Rohstoffe das Hauptprodukt. Beispiele dafĂŒr sind Ölpflanzen fĂŒr Pflanzenöl und Biodiesel, StĂ€rkepflanzen und Zuckerpflanzen etwa zur Herstellung von Bioethanol oder auch sogenannte Energiepflanzen als Substrat zur Erzeugung von Biogas in Biogasanlagen. Landwirtschaftliche Nebenprodukte, die als AbfĂ€lle energetisch verwendet werden können, sind beispielsweise Getreidestroh (siehe dazu auch Strohpellets) und ZuckerrĂŒbenblĂ€tter. ZukĂŒnftig kommt das bisher meist nicht genutzte Stroh von Körnermais, Raps und anderen Kulturpflanzen hinzu (siehe dazu Restwertpellets).
landwirtschaftliche Produktion von mehrjÀhrigen Pflanzen
Hier spielen gesondert genutzte FlĂ€chen eine wichtige Rolle, beispielsweise Plantagen fĂŒr Ölpalme und ÖlfrĂŒchte. Auch schnellwĂŒchsige Pflanzen, wie Miscanthus, können mehrjĂ€hrig angebaut werden. Die Ernte erfolgt hierfĂŒr jĂ€hrlich. SchnellwĂŒchsige Baumarten, wie bestimmte Weiden- und Pappelarten, können ĂŒber viele Jahre auf derselben FlĂ€che angebaut werden und werden im mehrjĂ€hrlichen Turnus geerntet. Die FĂ€higkeit zum Stockausschlag erspart das erneute Setzen der Pflanzen. Nebenprodukte aus der Verarbeitung werden direkt als Brennstoff verwendet oder daraus Brennstoffpellets erzeugt, beispielsweise aus Olivenkernen und Olivenpresstrester,cite-ref-2[2]cite-ref-3[3] Kokosnussschalen und Ölpalmenkernen.cite-ref-4[4] Die Gewinnung von Zucker aus Zuckerrohr hinterlĂ€sst energetisch nutzbare Bagasse.
organische AbfÀlle
Aus Industrie und Haushalten anfallende Reststoffe können durch energetische Nutzung die Entsorgungskosten verringern oder kompensieren. So können BioabfĂ€lle durch Kompostierung behandelt, aber auch eine energetisch Nutzung durch VergĂ€rung in Biogasanlage genutzt werden. KlĂ€rschlamm enthĂ€lt meist einen hohen Anteil organischer Verbindungen und wird bereits durch Verbrennung energetisch genutzt auch um das Volumen des zu deponierenden KlĂ€rschlamms zu reduzieren. Das Gleiche gilt auch fĂŒr HausmĂŒll zu der neben Bestandteilen fossiler Herkunft auch einen Anteil organischer Substanzen enthĂ€lt, der durch Verbrennung genutzt wird. Findet eine Deponierung des HausmĂŒlls statt, kann durch anaeroben Abbau aus den organischen Anteilen energiereiches Deponiegas entstehen. Letztlich kommt auch Landschaftspflegematerial aus Baum- und Grasschnitt durch Verbrennung oder VergĂ€rung zu Biogas (hier meist per Trockenfermentation) als biogener Brennstoff in Betracht.
getrennt gesammeltes Altholz
Altholz aus Industrierestholz, Baurestmassen, aus handwerklicher Verarbeitung und aus der Abfallsammlung dient ebenfalls als biogenes Brennmaterial.
Sonstiges
Torf wird unverarbeitet oder zu Pellets gepresst als Brennstoff genutzt. Tran und Tiermehl dienen ebenfalls als biogener Brennstoff.

Kategorien biogener Brennstoffe

Biogene Brennstoffe werden gemĂ€ĂŸ ihrem Aggregatzustand eingeteilt.

Biogene Festbrennstoffe

Viele biogene Festbrennstoffe können ohne aufwendige Aufbereitung (nur Trocknung, Zerkleinerung) genutzt werden, wie Holz (Scheitholz, Holzhackschnitzel), Stroh oder Bagasse. Die fĂŒr eine saubere Verbrennung erforderliche Sauerstoffzufuhr ist bei massiven Festbrennstoffen nur unmittelbar an deren OberflĂ€che vorhanden, womit deren Verbrennung problematischer ist, als bei flĂŒssigen oder gasförmigen Brennstoffen. Teilweise erfolgt aber auch eine aufwendige Verarbeitung dieser Rohstoffe, um Produkte mit exakter definierten Eigenschaften (Abmessung, Energiegehalt, Aschegehalt) zu erhalten, sowie deren OberflĂ€che zu vergrĂ¶ĂŸern, wie Holz- und Strohpellets. In vielen LĂ€ndern sind Festbrennstoffe fĂŒr die Bereitstellung von WĂ€rme zum Kochen bedeutend. In Deutschland dienen Festbrennstoffe in Kleinanlagen vor allem der WĂ€rmebereitstellung und in Großanlagen der gekoppelten WĂ€rme- und Stromversorgung.

Mit der Umwandlung von biogenen Festbrennstoffen in Biomass to Liquid (BtL), Biopyrolyseöl, Synthetic Natural Gas (SNG), Bioethanol, Biogas und andere Produkte besteht die Möglichkeit zur ÜberfĂŒhrung in andere AggregatzustĂ€nde. Thermische, biochemische oder andere Verfahren kommen dabei zum Einsatz. Durch Pressen oder Extrahieren können aus Pflanzensamen (Raps, Soja, Sonnenblumen) Pflanzenöle gewonnen werden.

Biogene FlĂŒssigbrennstoffe

Die bedeutendsten biogenen FlĂŒssigbrennstoffe sind Biokraftstoffe wie Bioethanol, Pflanzenöl und Biodiesel. Diese werden meist in Fahrzeugmotoren eingesetzt und mĂŒssen bestimmte, normierte Eigenschaften erfĂŒllen. Daneben gibt es weitere, weniger exakt definierte biogene FlĂŒssigbrennstoffe wie Pyrolyseöl, das aus fester Biomasse gewonnen wird.

Biogene Brenngase

Zu den biogenen Brenngasen gehören Faulgase (Biogas, KlĂ€rgas, Deponiegas), Biomethan, SNG (Synthetic Natural Gas) und Biowasserstoff. Die beiden letztgenannten haben in Deutschland bisher keine wirtschaftliche Bedeutung. Biogene Brenngase werden vor allem zur gekoppelten Strom- und WĂ€rmebereitstellung in Blockheizkraftwerken (BHKW) meist am Ort der Gasherstellung verwertet: Biogasanlagen, Deponien, KlĂ€rwerke. Nach einer sogenannten Biogasaufbereitung (insbesondere der Abtrennung des Kohlendioxids) kann man Biomethan auch in das Erdgasnetz einspeisen. Die Gewinnung von Faulgas erfolgt durch VergĂ€rung von organischer Substanz (z. B. GĂŒlle, Silage, organische Anteile in Abwasser und HausmĂŒll). SNG und Biowasserstoff können durch Vergasung von Biomasse zu Synthesegas und anschließende Verfahren zur Erhöhung der Methananteils (CH4 – bei der SNG-Erzeugung) bzw. der Wasserstoffanteils (H2 – bei der Biowasserstofferzeugung) produziert werden.

Nutzung von Bioenergie

Biogene WĂ€rme- und Stromerzeugung

In energietechnischen Anlagen zur Nutzung von Biomasse werden verschiedene Prinzipien der Energiewandlung eingesetzt. Bei grĂ¶ĂŸeren AnlagengrĂ¶ĂŸen ist eine kombinierte Erzeugung durch Kraft-WĂ€rme-Kopplung (KWK) ĂŒblich, die einen höheren exergetischen Wirkungsgrad erreicht als bei alleiniger WĂ€rme- oder Stromerzeugung. Beispiele fĂŒr KWK-Anlagen sind Biomasseheizkraftwerke (Verfeuerung fester Biobrennstoffe), Biogasanlagen mit Blockheizkraftwerk (BHKW) und Biomassevergaser mit BHKW (Holzgas-BHKW).

‱ Biomassekraftwerke sind ganzjĂ€hrig betriebene Anlagen zur Biomasseverfeuerung, die ĂŒber Dampfturbinen ElektrizitĂ€t produzieren. Der elektrische Wirkungsgrad liegt bei 30 bis 35 Prozent. Zum Einsatz kommen vorwiegend Gebrauchtholz (Altholz) sowie preisgĂŒnstige sonstige Holzsegmente (Restholz). Die typische elektrische Leistung liegt bei 20 MW.
‱ Biomasseheizkraftwerke nutzen ganzjĂ€hrig Biomasse, um WĂ€rme und auch Strom zu erzeugen. Dabei kommen meist Dampfturbinen und ORC-Turbinen zum Einsatz. Neben Forstholz (Waldrestholz) und Industrierestholz als hauptsĂ€chlichem Brennstoff können auch landwirtschaftliche Erzeugnisse wie das Holz aus Kurzumtriebsplantagen und Stroh genutzt werden. In Skandinavien (speziell Finnland) wird oftmals auch Torf zugefeuert, da dieser lokal gewonnen wird. Der elektrische Wirkungsgrad liegt bei 15 bis 25 Prozent, der thermische Wirkungsgrad bei etwa 60 Prozent. Die typische elektrische Leistung liegt bei 0,5 bis 50 MW.
‱ Biomasseheizwerke bzw. Pelletkessel erzeugen NutzwĂ€rme. Bei grĂ¶ĂŸeren Heizwerken werden meist gĂŒnstigere Holzhackschnitzel genutzt, bei kleineren Anlagen Pellets, die als Brennstoff besser definierte Eigenschaften haben und daher von der Fördertechnik anspruchsloser sind und weniger Betreuungsaufwand verursachen. Eine Nutzung in Kleinanlagen (Kamine, Öfen, Heizkessel) in WohnhĂ€usern ist möglich, beispielsweise in Pelletheizungen oder Scheitholzkesseln. Bei höherem WĂ€rmebedarf (MehrfamilienhĂ€user, Gewerbe, Industrie) kommen Holzhackschnitzelheizungen zum Einsatz.
‱ Biomassevergaser-BHKW (Holzgas-BHKW) befinden sich derzeit noch in der Entwicklung und MarkteinfĂŒhrung. Sie basieren auf der Verbrennung von Prozessgasen, die bei der Biomassevergasung entstehen. Dabei können unterschiedliche Sortimente von Holz, halmgutartige Biomasse und viele weitere Rohstoffe zum Einsatz kommen. Der elektrische Wirkungsgrad liegt bei 10 bis 30 Prozent, der thermische Wirkungsgrad bei etwa 40 bis 50 Prozent. Die typische elektrische Leistung liegt bei 30 bis 250 kW.
‱ Durch VergĂ€rung von GĂŒlle, Pflanzensilage und anderer Biomasse (Substrat) in Biogasanlagen wird sogenanntes Biogas erzeugt. In den meisten FĂ€llen erfolgt zunĂ€chst eine geringfĂŒgige Aufbereitung des Gases und anschließend die Erzeugung von elektrischem Strom und NutzwĂ€rme in einem Blockheizkraftwerk nahe der Biogasanlage. Durch eine weitere, aufwĂ€ndigere Aufbereitung (Biogasaufbereitung) zu Biomethan ist in Deutschland nach der Gasnetzzugangsverordnung (GasnetzZugVO) auch eine Einspeisung in das Erdgasnetz möglich. Durch Verstromung des Biomethans an einer geeigneten WĂ€rmesenke kann eine bessere AbwĂ€rmenutzung möglich sein. Auch eine Nutzung des Biomethans als Kraftstoff in Fahrzeugen mit Erdgasantrieb ist möglich.
‱ Eine weitere Option kann die Herstellung von Synthetic Natural Gas (SNG, synthetisches Erdgas) aus Biomasse durch Pyrolyse und anschließende Methanisierung sein. Wie bei der Aufbereitung von Biogas zu Biomethan in Erdgas-QualitĂ€t kann auch dieses Produkt eines Methanisierungs-Prozesses auf ErdgasqualitĂ€t aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist werden. Wie bei Erdgas ist auch hier eine Nutzung sowohl zur Strom- und WĂ€rmeerzeugung als auch als Kraftstoff möglich. Bisher hat die Erzeugung von SNG nur eine geringe Bedeutung. Die Erzeugung von Wasserstoff aus Biomasse erscheint aussichtsreicher, da der thermo-chemische Herstellungs-Vorgang nicht aufwĂ€ndiger, der Klimavorteil jedoch aufgrund der frĂŒhzeitigen Kohlenstoff-Abscheidung höher ist. Letzteres ist insbesondere dann der Fall, wenn Biokohle entsteht und zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit in Äcker eingepflĂŒgt wird.

Siehe auch

:

Bioenergiedorf

Biokraftstoffe

→

Hauptartikel

:

Biokraftstoffe

Biokraftstoffe werden in Verbrennungskraftmaschinen, wie Verbrennungsmotoren oder Gasturbinen eingesetzt.

Sie werden hÀufig unterteilt in eine erste, zweite und dritte Generation. Diese Einteilung ist jedoch problematisch, da es weder klare Abgrenzungen noch allgemein anerkannte Definitionen der jeweiligen Generation gibt.

Biokraftstoffe der ersten Generation

Konventionelle Biokraftstoffe wie Bio-Ethanol aus Getreide und Bio-Diesel aus Raps verwenden allein die Pflanzenfrucht und werden hĂ€ufig als „erste Generation“ bezeichnet.

‱ Bioethanol wird durch VergĂ€rung von Zuckern (aus ZuckerrĂŒbe, Zuckerrohr) und Zuckerpolymeren wie vor allem StĂ€rke (aus Mais, Getreide, Kartoffel) gewonnen.
‱ Pflanzenöle werden durch Pressen oder Extraktion aus ölhaltigen Pflanzenbestandteilen gewonnen (Frucht von Raps, Soja, Sonnenblume).
‱ Biodiesel wird zur Verbesserung der Eigenschaften als Kraftstoff durch Umesterung aus Pflanzenölen hergestellt.

Biokraftstoffe der zweiten Generation

Biokraftstoffe zweiter Generation – wie Zellulose-Ethanol oder synthetischer Biodiesel – erlauben die Verwendung der ganzen Pflanze und besitzen somit grĂ¶ĂŸere Nachhaltigkeitsvorteile. DarĂŒber hinaus können sie Stroh und pflanzliche Reststoffe verwenden und greifen nicht, wie Biokraftstoffe erster Generation, in die Nahrungsmittelkette ein. Insbesondere Cellulose- und Lignocellulose-Anteile von Pflanzen und Holz wird ein hohes Potential zugeordnet. Da der Herstellungsprozess bei derzeitigem Stand der Technik jedoch deutlich aufwendiger ist, als bei Kraftstoffen der ersten Generation, erfolgt bisher keine Umsetzung in großem kommerziellen Maßstab.

‱ BtL-Kraftstoffe (biomass to liquid) können aus fast jeder Art Biomasse (Stroh, Miscanthus, Kurzumtriebsholz, Waldrestholz, HolzabfĂ€lle) hergestellt werden. Diese wird durch Vergasung zunĂ€chst in niedermolekulare Bestandteile zerlegt und nach einer Gasreinigung durch Fischer-Tropsch-Synthese in ein Gemisch von Kohlenwasserstoffen umgewandelt. Die Verfahren befinden sich noch in der Entwicklung.
‱ Biomethan aus Biogas kann auch als Kraftstoff dienen.
‱ Die Gewinnung von Bioethanol aus Cellulose (Cellulose-Ethanol) ist ebenfalls noch in der Entwicklung.

Biokraftstoffe der dritten Generation

Gelegentlich werden Algenkraftstoffe wegen der hohen ProduktivitĂ€t der Algen pro KultivierungsflĂ€che als dritte Generation der Biokraftstoffe genannt. Jedoch findet derzeit keine kommerzielle Produktion statt und wird von Experten wegen hoher Betriebs- und Investitionskosten auch in absehbarer Zukunft nicht erwartet. Allerdings gibt es PlĂ€ne, Algen aus dem Meer energetisch in Form von Biogas bzw. Biokraftstoffen zu nutzen. Ein Pilotprojekt hierzu startete im Jahr 2013 auf den Fidschi-Inseln, deren KĂŒsten hĂ€ufig von AlgenblĂŒten betroffen sind. Die Beseitigung der angeschwemmten Algen an den StrĂ€nden ist bisher mit einem hohen Aufwand verbunden.cite-ref-5[5] Langfristig könnten Algenplantagen im Meer nach einer 2012 erschienenen Studie den gesamten fossilen Energiebedarf der Menschheit decken und – den Einsatz einer Kohlenstoffdioxidabscheidung vorausgesetzt – zugleich den CO2-Anteil in der ErdatmosphĂ€re senken.cite-ref-6[6]

Potenziale und FlÀchenbedarf

→

Hauptartikel

:

Biomassepotential

Die Potenziale der Bioenergien hĂ€ngen vor allem von der VerfĂŒgbarkeit von AnbauflĂ€che, auf denen Nachwachsende Rohstoffe (NawaRos) fĂŒr die Energieerzeugung angebaut werden können, ab. Wichtig ist auch die Menge an landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen und anderen organischen Reststoffen.

Weltweit

Das energetische Potential der Bioenergie ist weltweit umstritten. Die Internationale Energieagentur kam 2006 zu dem Ergebnis, dass unter der Annahme sehr schneller technologischer Entwicklung weltweit bis zu 700 Exajoule (EJ) an Bioenergie genutzt werden könnten, ohne dass die Nahrungsmittelproduktion, die WĂ€lder oder die BiodiversitĂ€t gefĂ€hrdet wĂŒrde. Damit besĂ€ĂŸe die Bioenergie das Potential, etwa 60 % des geschĂ€tzten PrimĂ€renergiebedarfes des Jahres 2050 zu decken. Neuere Studien geben das Potential konservativer mit 180 EJ an, was etwa 15 % des fĂŒr 2050 erwarteten Energiebedarfes entspricht.cite-ref-7[7]

Nach Erhebungen der Food and Agriculture Organization (FAO) kommen 3,5 Milliarden Hektar degradierter FlĂ€che fĂŒr den Anbau von Bioenergiepflanzen infrage. Dagegen betrug die AnbauflĂ€che fĂŒr Biokraftstoffe im Jahr 2007 weltweit nur 30 Millionen Hektar.cite-ref-8[8] Demnach wĂ€ren die weltweit verfĂŒgbaren Potenziale fĂŒr Bioenergie noch weitgehend unerschlossen, wodurch kaum Konkurrenz zu Nahrungsmittelanbau entstehen wĂŒrde.

Nach einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale UmweltverÀnderungen (WBGU) betrÀgt das technische Potenzial, unter Beachtung sehr weitreichender Naturschutzkriterien, zwischen 30 EJ und 120 EJ, was ungefÀhr 6 bis 25 Prozent des primÀren Weltenergiebedarfs entspricht. Zusammen mit biogenen Reststoffen kann Bioenergie demnach 80 bis 170 EJ und damit 16 bis 35 Prozent des Weltenergiebedarfs bereitstellen. Aufgrund wirtschaftlicher und politischer Restriktionen sei eine Abschöpfung des Potenzials jedoch nur etwa zur HÀlfte möglich (8 bis 17,5 Prozent des Weltenergiebedarfs).cite-ref-9[9]

Andere Studien berechnen weit höhere mögliche Potenziale bis zu 1440 EJ (das Dreifache des Weltenergiebedarfs). Grundlagen sind insbesondere höhere Annahmen zur Ertragshöhe pro FlĂ€cheneinheit vor allem auf degradierten Böden. Diese wurden im WBGU-Gutachten konservativ eingeschĂ€tzt. Eine Studie im Auftrag der Agentur fĂŒr Erneuerbare Energien kommt zu dem Ergebnis, dass bei Nutzung der HĂ€lfte der weltweiten degradierten FlĂ€chen mehr als 40 Prozent des heutigen globalen PrimĂ€renergiebedarfs aus Energiepflanzen gedeckt werden kann. Zusammen mit biogenen Reststoffen kann demnach die HĂ€lfte des gesamten Weltenergiebedarfs mithilfe von Bioenergie gedeckt werden, ohne dass Nutzungskonkurrenzen zu Naturschutz oder zur Nahrungsmittelversorgung entstehen mĂŒssten.cite-ref-10[10]

Von der weltweiten AgrarflĂ€che werden drei Prozent fĂŒr den Anbau von Bioenergie genutzt,cite-ref-11[11] bzw. sechs Prozent der Weltgetreideernte. Der Anteil der benötigten AckerflĂ€che blieb in den letzten Jahren konstant bei gleichzeitiger Erhöhung der Biotreibstoffproduktion.cite-ref-12[12]

Europa

Mit Hinsicht auf die Bioenergiepotenziale in der EU-27 weisen Studien eine Bandbreite von 5 bis 14 Exajoule pro Jahr aus, davon 2 bis 7 Exajoule auf Energiepflanzen und 1 bis 7 Exajoule auf Forstzuwachs. Dies entspricht 6 % bis 20 % des derzeitigen EU-PrimÀrenergieverbrauchs.cite-ref-13[13]

GegenwĂ€rtig werden sechs Prozent der globalen Getreideernte zur Herstellung von Bioenergie fĂŒr die Treibstoff, Strom- und WĂ€rmegewinnung genutzt. Von der europĂ€ischen Getreideernte werden 3,2 Prozent fĂŒr Bioenergie genutzt. Der ĂŒberwiegende Teil (58 Prozent) wird fĂŒr Viehfutter verwendet.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15]

Das mehrjĂ€hrige europĂ€ische Forschungsprojekt „Biomass Futures“ hat ermittelt, dass in der EU bis 2020 mehr als 21 Millionen Hektar fĂŒr den Anbau von Energiepflanzen frei werden können.cite-ref-16[16] Das Forschungsprojekt 4FCrops berechnet mit rund 20 Millionen Hektar FlĂ€chenpotenzial, trotz Zugrundelegung anderer Annahmen, ein Ă€hnliches Ergebnis.cite-ref-17[17] Derzeit (Anfang 2014) hat die EU ein Ausbauziel von 10 % Biokraftstoffen bis 2020. Dieses kann anhand der in der EU verfĂŒgbaren FlĂ€chen ĂŒbertroffen werden.

Deutschland

Das energetisch nutzbare Biomassepotential in Deutschland wird auf ca. 1200 PJ geschÀtzt, was etwa 9 % des deutschen PrimÀrenergiebedarfs des Jahres 2011 entspricht.cite-ref-18[18]

Im Jahr 2009 wurden mit 1,7 Millionen Hektar auf zehn Prozent der landwirtschaftlichen NutzflÀche Energiepflanzen angebaut. Einer vom Bundesumweltministerium vorgelegten Stoffstromanalyse zufolge kann diese FlÀche bis 2020 mehr als verdoppelt werden (4 Mio. ha), ohne in Nutzungskonkurrenzen mit der Nahrungsmittelerzeugung zu geraten. Die auf dieser FlÀche produzierten Energiepflanzen können demnach, zusammen mit biogenen Reststoffen, rund 16 Prozent des deutschen Strombedarfs, 10 Prozent des WÀrmebedarfs und 12 Prozent des Kraftstoffbedarfs bereitstellen.cite-ref-19[19] Ein im Jahr 2013 vorgelegter Potenzialatlas ermittelt das Biomassepotenzial der einzelnen BundeslÀnder.cite-ref-20[20]

Laut dem von der Agentur fĂŒr Erneuerbare Energie im Januar 2010 vorgelegten Potenzialatlas Erneuerbare Energie wird der fĂŒr Bioenergie benötigte FlĂ€chenbedarf von heute ungefĂ€hr 1,6 Millionen Hektar auf 3,7 Millionen Hektar im Jahr 2020 ansteigen, wobei hiermit 15 Prozent des gesamten deutschen Strom-, WĂ€rme- und Kraftstoffbedarfs durch Bioenergie gedeckt werden kann. Die Versorgung mit Lebensmitteln sei dabei zu keinem Zeitpunkt gefĂ€hrdet. „Trotz des steigenden Anteils der Bioenergie gibt es jedes Jahr deutliche ÜberschĂŒsse bei der Getreideernte in Deutschland und der EU“, sagt Daniela ThrĂ€n vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ). „Die ProduktivitĂ€t in der Landwirtschaft steigt im Schnitt weiter an. Hinzu kommen Reststoffe wie Stroh, GĂŒlle oder Restholz sowie brachliegende FlĂ€chen – das Potenzial bei Bioenergie ist also immer noch sehr groß“.cite-ref-21[21]

Nachhaltig erzeugte Biokraftstoffe können Wissenschaftlern zufolge im Energiemix der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. In ambitionierten Klimaschutzszenarien könnten bis 2030 etwa 20 Prozent und bis 2050 etwa 70 Prozent eines bis dahin deutlich reduzierten Kraftstoffbedarfs aller VerkehrstrÀger in Deutschland nachhaltig und ohne Nutzungskonkurrenzen oder zusÀtzliche Importe gedeckt werden. Das bedeutet, dass Biokraftstoffe entweder aus Reststoffen oder aus der Produktion auf langfristig frei gewordenen FlÀchen stammen, sich nicht negativ auf die Artenvielfalt auswirken, nicht den Selbstversorgungsgrad Deutschlands bei Nahrungsmitteln verringern und kein Wiesen- oder Weideland umgewandelt wird. Weltweit könnte sich der Biokraftstoffbedarf von 2010 bis 2050 gar verzehnfachen.cite-ref-22[22]

Bedeutung in Deutschland

Anteil an der Energieversorgung

Rund 70 % der 2008 in Deutschland genutzten erneuerbaren Energien wurden von den Bioenergien und damit von biogenen Brennstoffen gestellt. Sie macht damit rund 6,7 % (15,6 TWh) des deutschen Endenergiebedarfs (233 TWh) aus. Die WĂ€rmebereitstellung machte rund 60 % der Bioenergie, die Kraftstoff- und Strombereitstellung rund 23 bzw. 17 % aus.cite-ref-23[23] Im Jahr 2020 wurden 7,8 Prozent des erzeugten Stroms in Deutschland aus Biomasse gewonnen. Das entspricht rund 44,1 Terawattstunden.cite-ref-24[24]

Förderung der biogenen Brennstoffe

Die Nutzung von biogenen Brennstoffen wird aus mehreren GrĂŒnden gefördert. So soll z. B. das Klima durch geringeren Treibhausgasausstoß geschĂŒtzt, fossile Ressourcen geschont und die AbhĂ€ngigkeit von Staaten mit großen Rohstoffvorkommen (z. B. Erdöl, Erdgas) verringert werden. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird die Stromerzeugung aus erneuerbare Energien, wie u. a. biogenen Brennstoffen, gefördert. Das Biokraftstoffquotengesetz (BioKraftQuG) legt eine Mindestbeimischungsmenge von Biokraftstoffen zu konventionellen Treibstoffen fest. Das Erneuerbare-Energien-WĂ€rmegesetz (EEWĂ€rmeG) fördert die WĂ€rmebereitstellung unter anderem durch Bioenergien. Ähnliche Gesetze auf Basis der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (EU-Richtlinie) gelten auch in den anderen EU-Staaten.

Bewertung der Bioenergien

Bei der Bewertung der Bioenergien sind zahlreiche Aspekte zu berĂŒcksichtigen, wie beispielsweise die Wirtschaftlichkeit, die KlimavertrĂ€glichkeit, der Einfluss auf die Ökologie (BiodiversitĂ€t) und die FlĂ€chenkonkurrenz gegenĂŒber der Nahrungsmittelerzeugung. Da diese Aspekte oft im Widerspruch zueinander stehen, fĂŒhrt die Bewertung meist zu ambivalenten Ergebnissen. Zudem ist keine einheitliche Bewertung fĂŒr alle Bioenergien möglich, da sich die einzelnen Energien in Bereitstellung, Nutzung, Wirkungsgraden, Emissionen etc. stark unterscheiden.cite-ref-25[25]

Vorteile

‱ Ein wichtiger Vorteil der Bioenergien basiert auf ihrer Erneuerbarkeit. Vorkommen von fossilen EnergietrĂ€gern werden geschont.
‱ Bioenergien können zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen beitragen. Bei der Verbrennung von Biomasse wird nur soviel Kohlendioxid freigesetzt, wie auch zuvor bei der Photosynthese aus der AtmosphĂ€re aufgenommen wurde. (Nachteil: Bei Bioenergien muss berĂŒcksichtigt werden, dass bei der Erzeugung und Nutzung von Biomasse Emissionen starker Treibhausgase (Lachgas, Methan) entstehen können, die zu einer negativen Klimabilanz fĂŒhren können.)
‱ Die verstĂ€rkte Nutzung von Biokraftstoffen kann die AbhĂ€ngigkeit von Energierohstoffimporten reduzieren und Konflikte vermeiden. Insbesondere EntwicklungslĂ€nder wenden einen großen Anteil ihrer finanziellen Mittel fĂŒr den Import von EnergietrĂ€gern wie etwa Erdöl auf.
‱ Biomassekraftwerke und Biogasanlagen, die zur Stromerzeugung eingesetzt werden, sind im Gegensatz zur Windenergie und zur Solarenergie grundlastfĂ€hig und in ihrer Leistungsabgabe regelbar, sodass sie eine gute ErgĂ€nzung zu den genannten volatilen erneuerbaren Energien darstellen. Die installierte elektrische Leistung aller Biomasseanlagen in Deutschland (feste und flĂŒssige Brennstoffe, Biogas, biogener Teil des Abfalls) betrug 2011 laut Bundesumweltministerium ca. 6800 MW,cite-ref-26[26] entsprechend etwa 5 Kernkraftwerken mit 1300 MW Leistung.
‱ Bioenergie kann einen wichtigen Beitrag zur StĂ€rkung des lĂ€ndlichen Raumes und zur EindĂ€mmung von Landflucht leisten, etwa durch Regenerierung der weltweiten degradierten FlĂ€chen, der Erschließung eines zweiten Standbeins fĂŒr Landwirte durch eigene Produktion von Strom, WĂ€rme und Treibstoffen, sowie der Bereitstellung einer dezentralen Energieversorgung.
‱ Die Nutzung von Biomasse wie z. B. Waldholz ist CO2-neutral, wenn dem Wald nicht mehr Holz entnommen wird als gleichzeitig nachwĂ€chst.cite-ref-27[27]
‱ Bioenergie wird vor allem dann eine sehr gute Ökobilanz zugesprochen, wenn organische AbfĂ€lle, Reststoffe und organisch belastete AbwĂ€sser verwertet werden, die man sonst mit unter UmstĂ€nden großem Energieaufwand behandeln mĂŒsste.cite-ref-28[28]cite-ref-29[29] Da solche Rest- und Abfallstoffe preiswert oder kostenlos verfĂŒgbar sind, können sie wirtschaftlich verwertet werden. Das findet beispielsweise in KlĂ€rwerken und Biogasanlagen mit Cofermentation statt. In LĂ€ndern wie China und Indien sind Kleinstbiogasanlagen verbreitet, die mit organischen Abfallstoffen betrieben werden und einzelne Haushalte mit Kochgas versorgen.cite-ref-30[30] Die Verwertung von GĂŒlle wird aus ökobilanzieller Sicht als problematischer bewertet.cite-ref-31[31]
‱ Monokulturen von Energiepflanzen können durch Anbausysteme, wie Mischfruchtanbau (gleichzeitiger Anbau von Energiepflanzen wie Mais und Sonnenblumen) oder Zweikulturensysteme (Anbau von Winter- sowie Sommerkultur auf derselben FlĂ€che, z. B. Wintertriticale und Zuckerhirse) vermieden und zugleich nachhaltige hohe ErtrĂ€ge gesichert werden. Einige Pflanzen, wie etwa Raps, können nicht mehrfach auf einer FlĂ€che angebaut werden, so dass auch dadurch das Ausmaß von Monokulturen begrenzt wird.cite-ref-32[32]

Nachteile

‱ Die FlĂ€cheneffizienz (Leistungsdichte) ist kleiner als 0,5 Watt pro Quadratmeter, d. h. weniger als ein Zehntel der von Photovoltaikanlagen. Selbst eine Bewirtschaftung der gesamten deutschen LandesflĂ€che mit Energiepflanzen könnte Deutschlands PrimĂ€renergiebedarf nicht decken.cite-ref-33[33]
‱ Die Treibhausgas-Emissionen sind mit ca. 230 g/kWh fĂŒr erneuerbare Energien sehr hoch (vgl. Photovoltaik: 41 g/kWh, Erdgasverstromung (nicht erneuerbar): 490 g/kWh).cite-ref-34[34]
‱ Die Bewirtschaftung von AckerflĂ€che mit Energiepflanzen fĂŒhrt zu einer FlĂ€chenkonkurrenz zur Nahrungs- bzw. Futtermittelerzeugung. So wird die verstĂ€rkte Nachfrage nach Mais zur Gewinnung von Ethanol-Kraftstoff als eine der möglichen Ursachen fĂŒr die Nahrungsmittelpreiskrise 2007–2008 diskutiert. (Siehe Hauptartikel Nahrungsmittelkonkurrenz.)
‱ Werden Biotreibstoffe in intensiver Landwirtschaft angebaut, fĂŒhrt dies zu Umweltbelastungen. In der Regel werden Pestizide und mineralische DĂŒnger eingesetzt, die zu GewĂ€sser- und Grundwasserbelastung fĂŒhren können und deren Herstellung zudem sehr energieintensiv ist. StickstoffdĂŒnger können zu erhöhten Emissionen des Treibhausgases Lachgas fĂŒhren. Deshalb ist die Klimabilanz von Biotreibstoffen unter Wissenschaftlern umstritten. So trifft nach Darlegungen namhafter Wissenschaftler,cite-ref-35[35] unter ihnen der NobelpreistrĂ€ger Paul J. Crutzen, die angeblich positive Klimabilanz nicht zu.
‱ Der stark zunehmende Anbau nur weniger Energiepflanzenarten, wie etwa in Deutschland hauptsĂ€chlich Raps und Mais, verĂ€ndert das Landschaftsbild. Dieses wurde durch Abschaffung der FlĂ€chenstilllegung in der EuropĂ€ischen Union verstĂ€rkt. Dadurch kann zudem die BiodiversitĂ€t bedroht werden.
‱ Die Umwandlung ökologisch wertvoller FlĂ€chen wie Regenwald, Moor oder GrĂŒnland in Ackerland fĂŒhrt ebenfalls zu einer GefĂ€hrdung und Verringerung der BiodiversitĂ€t. Zudem können diese FlĂ€chen in ihrem ursprĂŒnglichen Zustand große Mengen CO2 gespeichert haben, welches bei der Umwandlung in Ackerland (Brandrodung, Trockenlegung) freigesetzt wird.cite-ref-36[36]cite-ref-37[37] Die Nachhaltigkeitsverordnung soll erreichen, dass die hierzulande fĂŒr Biokraftstoffe verwendete Biomasse nicht aus Raubbau von RegenwĂ€ldern stammt. Ferner werden bei der Umwandlung von Brachland in Ackerland erhebliche Mengen klimaschĂ€dlicher Gase (Methan, Stickoxid) freigesetzt, so dass hierdurch ĂŒber viele Jahre die Klimabilanz negativ ist.
‱ Ein Teil der Biomasse muss auf landwirtschaftlichen FlĂ€chen verbleiben, um die BodenqualitĂ€t zu erhalten. Durch die vollstĂ€ndige Nutzung der Pflanzen verschlechtert sich die Humusbilanz. Bei forstlicher Biomasse fĂŒhrt eine intensive Nutzung zu NĂ€hrstoffentzug aus dem Wald. Zudem bietet Totholz einen Lebensraum fĂŒr viele verschiedene Arten.
‱ Da viele BioenergietrĂ€ger brennbar sind, kann neben einer Brand- auch eine Explosionsgefahr bestehen.cite-ref-38[38]

Gesetzliche Nachhaltigkeitskriterien

Mit der Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung und der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung ist fĂŒr die Biokraftstoffproduktion und fĂŒr die Herstellung von flĂŒssigen BioenergietrĂ€gern zur Stromerzeugung gesetzlich sichergestellt, dass ökologische Nachhaltigkeitsstandards eingehalten werden (u. a. keine Rodung von RegenwĂ€ldern, positive Klimabilanz u. a.). Die ErfĂŒllung dieser Kriterien ist durch ein Zertifizierungssystem nachzuweisen.cite-ref-39[39]cite-ref-40[40] Verschiedene Kritikpunkte werden geĂ€ußert, wie Vollzugsprobleme speziell in den EntwicklungslĂ€ndern, UnvollstĂ€ndigkeit, Probleme wie Nutzungskonkurrenzen mit der Nahrungsmittelproduktion lassen sich nicht als Kriterien formulieren und es drohen Verlagerungseffekte, die die Kriterien leerlaufen lassen, so könnte etwa ein Verbot der Biomasseproduktion im Regenwald eine vermehrte Futtermittelproduktion im Regenwald zur Folge haben.cite-ref-41[41]

Die Nachhaltigkeitszertifizierung verpflichtet die Vermarkter, eine Treibhausgasreduktion von mindestens 35 % gegenĂŒber fossilem Kraftstoff nachzuweisen (ab 2017: 50 %), wobei die gesamte Herstellungskette berĂŒcksichtigt wird. Laut Erhebungen der Bundesanstalt fĂŒr Landwirtschaft und ErnĂ€hrung betrĂ€gt die durchschnittliche Treibhausgaseinsparung von deutschen Biokraftstoffen rund 44 % gegenĂŒber fossilem Diesel und ĂŒbertrifft damit die EU-Standards deutlich. Im Jahr 2011 wurden dadurch rund fĂŒnf Mio. Tonnen CO2 vermieden.cite-ref-42[42]

Der Direktor des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, erklĂ€rte: „WĂŒrden an alle landwirtschaftlichen Nutzungen so hohe Anforderungen wie an den Biosprit gestellt, dann lebten wir in einer besseren Welt.“cite-ref-43[43]

Perspektive der Bioenergien

ZukĂŒnftig ist mit einem weiteren Ausbau der Bioenergien zu rechnen. In Deutschland erfolgt die Förderung durch verschiedene Maßnahmen. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird unter anderem eine erhöhte VergĂŒtung fĂŒr Strom aus Biomasse sichergestellt, aber auch die Kraft-WĂ€rme-Kopplung (KWK) gefördert. Nach dem Energiesteuergesetz sind zudem reine Biokraftstoffe steuerbegĂŒnstigt. Auch in anderen Staaten (Österreich, Schweden, USA etc.) werden Bioenergien gefördert und decken teilweise einen großen Anteil des Energiebedarfs. Da Bioenergie, anders als Wind- und Solarstrom, einfach speicherbar ist, wird sie als wichtige Regelenergie fĂŒr die kĂŒnftige Stromversorgung gesehen (virtuelles Kraftwerk). Bedingt durch die höhere Investitions- und Wartungskosten im Vergleich zu fossilen EnergietrĂ€gern ist die WettbewerbsfĂ€higkeit nicht immer gegeben. Dies kann durch niedrige Energiepreise fĂŒr Öl und Gas zusĂ€tzlich begĂŒnstigt werden.cite-ref-44[44]

Über 120.000 ArbeitsplĂ€tze sind im Bioenergiesektor entstanden, was etwa einem Drittel aller Jobs in der Erneuerbare-Energien-Branche entspricht. Neben Wachstumsbereichen, wie Biogas, hat es allerdings auch EinbrĂŒche gegeben, wie die Schließung vieler kleiner ÖlmĂŒhlen infolge der Biokraftstoffbesteuerung zulasten der regionalen Wertschöpfung.cite-ref-45[45]

Wissenschaftler schlagen vor, Bioenergie zur kombinierten Strom- und WĂ€rmeerzeugung (Kraft-WĂ€rme-Kopplung) zu verwenden statt fĂŒr Kraftstoffe. Dies sei deutlich effizienter. Außerdem soll der Energieverbrauch durch höhere Effizienz und nachhaltige Lebensstile gesenkt werden.cite-ref-ekardt-46-0[46]cite-ref-47[47]

Literatur

‱ Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina: Bioenergie: Möglichkeiten und Grenzen. ErgĂ€nzte Version der im Jahr 2012 erschienenen Studie Bioenergie – Chances and limits. Halle (Saale).
‱ Michael Zichy, Christian DĂŒrnberger, Beate Formowitz, Anne Uhl: Energie aus Biomasse. Ein ethisches Diskussionsmodell. 2., aktualisierte Auflage. Springer Vieweg, Wiesbaden 2014.
‱ Martin Kaltschmitt, Hans Hartmann, Hermann Hofbauer (Hrsg.): Energie aus Biomasse. Grundlagen, Techniken und Verfahren. Berlin / Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-85094-6.
‱ Agentur fĂŒr Erneuerbare Energien: Bioenergie: Vielfalt im Vordergrund. BroschĂŒre, (PDF; 7 MB)
‱ Martin Kaltschmitt, Wolfgang Streicher, Andreas Wiese (Hrsg.): Erneuerbare Energien. Systemtechnik, Wirtschaftlichkeit, Umweltaspekte. Springer Vieweg, Berlin / Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-03248-6.
‱ Wolfgang GrĂŒndinger: Bioenergie als ein Weg aus der ökologischen, finanz- und sozialpolitischen Krise – Rede auf dem 4. BBE-Symposium fĂŒr Bioenergie und Nachhaltigkeit: „Akzeptanz durch eine nachhaltige Bioenergienutzung sichern!“ (PDF; 84 kB), 6. Juli 2011, DĂŒsseldorf
‱ Uwe R. Fritsche u. a.: Nachhaltige Bioenergie: Zusammenfassender Endbericht. (PDF; 3,9 MB) Öko-Institut, Darmstadt 2010 (Endbericht zum Forschungsvorhaben „Entwicklung von Strategien und Nachhaltigkeitsstandards zur Zertifizierung von Biomasse fĂŒr den internationalen Handel“, in Kooperation mit IFEU Heidelberg, im Auftrag des Umweltbundesamts).
‱ Institut fĂŒr Agrarpolitik an der Uni Gießen: BestimmungsgrĂŒnde fĂŒr das Niveau und die VolatilitĂ€t von Agrarrohstoffpreisen auf internationalen MĂ€rkten. Implikationen fĂŒr WelternĂ€hrung und Politikgestaltung. (PDF; 3,4 MB), Uni Gießen, 2012
‱ Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale UmweltverĂ€nderungen (Hrsg.): Welt im Wandel. ZukunftsfĂ€hige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung. (PDF; 25,3 MB) WBGU, Berlin 2008, ISBN 978-3-936191-21-9, (Jahresgutachten).
‱ Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale UmweltverĂ€nderungen (Hrsg.): Factsheet 1/2009 Bioenergie. WBGU, Berlin 2009.
‱ Uwe R. Fritsche, Kirsten Wiegmann: Treibhausgasbilanzen und kumulierter PrimĂ€renergieverbrauch von Bioenergie-Konversionspfaden unter BerĂŒcksichtigung möglicher LandnutzungsĂ€nderungen. WBGU, Berlin 2008 (Expertise des Öko-Instituts zum WBGU-Gutachten 2008).
‱ Food and Agriculture Organization of the United Nations (Hrsg.): The State of Agriculture. Biofuels: prospects, risks and opportunities. FAO, Rom 2008, ISBN 978-92-5-105980-7.
‱ Ludger Eltrop, Konrad Raab, Institut fĂŒr Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (Hrsg.): Leitfaden Bioenergie. Planung, Betrieb und Wirtschaftlichkeit von Bioenergieanlagen. 2. Auflage. Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, GĂŒlzow 2005, ISBN 3-00-015389-6
‱ Deutscher Verband fĂŒr Landschaftspflege, Naturschutzbund NABU (Hrsg.): Bioenergie – aber natĂŒrlich! Nachwachsende Rohstoffe aus Sicht des Umwelt- und Naturschutzes. (PDF; 5,6 MB) Berlin 2007.
‱ Martin Kaltschmitt, Wolfgang Streicher, Andreas Wiese (Hrsg.): Erneuerbare Energien. Systemtechnik, Wirtschaftlichkeit, Umweltaspekte. Springer Vieweg, Berlin / Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-03248-6.
‱ Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR): Leitfaden Bioenergie – Planung, Betrieb und Wirtschaftlichkeit von Bioenergieanlagen – Schwerpunkt biogene Festbrennstoffe, GĂŒlzow 2005, 2., ĂŒberarbeitete Auflage, ISBN 3000153896, als Online-Fassung

Weblinks

Commons

: Biogene Brennstoffe

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Literatur von und ĂŒber Bioenergie im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Allgemeine Portale

‱ Agentur fĂŒr Erneuerbare Energie, Portal "Biomasse"
‱ Öffentliches Informationsportal fĂŒr Erneuerbare Energien, Artikel "Bioenergie"
‱ Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR)
‱ Fördergesellschaft nachhaltige Biogas- und Bioenergienutzung

InteressenverbÀnde

‱ Bundesverband Bioenergie (BBE)
‱ Verband der Biokraftstoffhersteller (VDB)

Bioenergieforschung

‱ Deutsches BiomasseForschungsZentrum (DBFZ)
‱ Fraunhofer-Institut fĂŒr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT Institutsteil Sulzbach-Rosenberg

Bioenergieprojekte

‱ Institut fĂŒr Bioenergiedörfer Göttingen
‱ Praxisbeispiele fĂŒr Bioenergieanlagen auf der Internetseite der Niedersachsen Netzwerks Nachwachsende Rohstoffe (3N), abgerufen am 20. Januar 2010

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Michael Zichy, Christian DĂŒrnberger, Beate Formowitz, Anne Uhl: Energie aus Biomasse. Ein ethisches Diskussionsmodell. 2., aktualisierte Auflage. Springer Vieweg, Wiesbaden 2014, S. 69 ff.
cite-note-22. ↑ Patentanmeldung DE102007031277A1: Brennstoff, insbesondere in Form von Pellets, aus Olivenresten und brennbaren organischen und/oder anorganischen Stoffen. Angemeldet am 5. Juli 2007, veröffentlicht am 8. Januar 2009, Anmelder: Nico Grizis, Karl Dieter Rabeling.‌
cite-note-33. ↑ olivenpellets.de.
cite-note-44. ↑ Hersteller von Pellets aus Tropenholz, Kokosnussschalen und Ölpalmenkernen.
cite-note-55. ↑ Hirngespinst oder gute Idee: Forscher wollen mit Algen die Welt retten. In: Wirtschaftswoche, 3. September 2013. Abgerufen am 11. September 2013.
cite-note-66. ↑ Antoine de Ramon N‘Yeurt, David P. Chynoweth, Mark E. Capron, Jim R. Stewart, Mohammed A. Hasan, Negative Carbon via Ocean Afforestation, in: Process Safety and Environmental Protection 90 (2012), S. 467–474, online (Memento vom 8. April 2014 im Internet Archive) (PDF; 536 kB).
cite-note-77. ↑ Vgl. Viktor Wesselak, Thomas Schabbach, Thomas Link, Joachim Fischer: Handbuch Regenerative Energietechnik. Berlin/Heidelberg 2017, S. 171.
cite-note-88. ↑ JĂŒrgen O. Metzger, Aloys HĂŒttermann: Sustainable global energy supply based on lignocellulosic biomass from afforestation of degraded areas. In: Naturwissenschaften. 96, Nr. 2, 2009, doi:10.1007/s00114-008-0479-4.
cite-note-99. ↑ Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale UmweltverĂ€nderungen (WBGU): Welt im Wandel: ZukunftsfĂ€hige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung. (Memento vom 9. Januar 2017 im Internet Archive) Berlin 2009.
cite-note-1010. ↑ Agentur fĂŒr Erneuerbare Energien (Hrsg.): Globale Bioenergienutzung – Potenziale und Nutzungspfade. (Memento vom 3. Juni 2013 im Internet Archive) (PDF; 939 kB) Berlin 2009, S. 9.
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cite-note-3737. ↑ Renews Kompakt: Indirekte LandnutzungsĂ€nderung – Problem oder Trugbild? 2012
cite-note-3838. ↑ Luzerner Zeitung: Wie gefĂ€hrlich sind Biokraftanlagen? Gleich zweimal hat es innerhalb zweier Monate in Biokraftanlagen gebrannt. Dabei geriet vor allem die Feuerwehr in große Gefahr. 6. November 2012. Online unter luzernerzeitung.ch. Abgerufen am 22. Dezember 2018.
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cite-note-4747. ↑ SachverstĂ€ndigenrat fĂŒr Umweltfragen (Hrsg.): Klimaschutz durch Biomasse. Schmidt, Berlin 2007, ISBN 978-3-503-10602-8